In Köln dreht sich alles um Vinyl

Unsere Reise in die Vergangenheit geht weiter. Aber heute kommt Musik in Spiel: Das Filmteam dreht im Plattenladen „Nunk Music“ im belgischen Viertel in Köln. Besitzer Uwe Schmandin macht seinen Laden für uns heute extra zwei Stunden vor den offiziellen Öffnungszeiten auf.

“When you walk through a storm / Hold your head up high / And don’t be afraid of the dark / At the end of the storm / There’s a golden sky / And the sweet silver song of a lark / Walk on through the wind / Walk on through the rain / Though your dreams / Be tossed and blown / Walk on / Walk on / With hope in your hearts / and you’ll never walk alone / You’ll never walk alone”

“Wenn du durch den Sturm gehst / geh erhobenen Hauptes / und habe keine Angst vor der Dunkelheit / Am Ende des Sturms / gibt es einen goldenen Himmel / und das süße, silberhelle Lied einer Lerche / Geh weiter durch den Wind / Geh weiter durch den Regen / Auch wenn sich alle Deine Träume / in Luft auflösen / Geh weiter, / geh weiter, / mit Hoffnung im Herzen / und du wirst niemals alleine gehen / Du wirst niemals alleine gehen.“

Wie dieser traurig-schöne Text den Weg in die Fußballstadien rund um die Welt fand, ist eines der großen kulturellen Rätsel des 20. Jahrhunderts. Erstmals war das melodramatische Lied 1945 im Musical „Carousel“ am New Yorker Broadway zu hören. Komponiert und geschrieben haben es Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II, die größten Musical-Macher ihrer Zeit, nach der Vorlage des Theaterstücks „Liliom“ von Ferenc Molnár. Im Musical „Carousel“ will die Trauergemeinde einer schwangeren Frau helfen – wir erinnern uns an Lilioms Julie -, über den Freitod ihres Mannes hinwegzukommen. „Carousel“ entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Musicals des 20. Jahrhunderts, und zahlreiche Sänger und Entertainer sollten den Song in ihr Programm aufnehmen. Auf der Suche nach berühmten Interpreten sind wir heute im Kölner Plattenladen „Nunk Music“ und stöbern nach längst vergessen geglaubten Schätzen.

Im Laden von Uwe Schmandin kann man ganz wunderbar auf Zeitreise gehen: Von Wagner über die Beatles bis zu den Rolling Stones – es gibt (fast) nichts, was er nicht hat oder nicht besorgen könnte. Der leidenschaftliche Plattensammler bietet dem Filmteam mit seinem Laden die passende Kulisse für die Eingangssequenz des Films. Króls erste Begegnung mit „You’ll never walk alone“ war in den 1970er Jahren im Song „Fearless“ vom Album „Meddle“ der britischen Rockband Pink Floyd. Dort hat es das Lied bereits ins Stadion geschafft: Bereits am Anfang hört man leise Liverpooler Fan-Gesänge, die am Schluss immer lauter werden. Die Aufnahme muss bei einem Derby zwischen den beiden Stadtvereinen Liverpool FC und Everton FC passiert sein: „Wenn man genau hinhört, bemerkt man am Ende Fans, die nach dem Lied ‚Everton, Everton‘ skandieren, bevor Gegengesänge angestimmt werden“, berichtet Król. 

Wir finden aber noch einige weitere überraschende Interpretationen von „You’ll never walk alone“, die erschienen sind, bevor das Lied mit dem Fußball in Berührung kam: Judy Garland, Mahalia Jackson, Frank Sinatra und Elvis Presley – sie alle eint, dass sie einst „You’ll never walk alone“ gesungen haben. In einer verstaubten Kiste findet Joachim Król auch die berühmteste Fassung: die Single von Gerry and the Pacemakers, mit der das Lied 1963 in die britischen Charts und anschließend ins Liverpooler Stadion kam. Die Szene muss allerdings ein paar Mal wiederholt werden: „Das ist das schwerste, was es gibt: Zu spielen, dass man etwas sucht, was man längst gefunden hat“, sagt Joachim Król schmunzelnd.

Nachdem nun aber alle Scheiben zusammengesucht sind, geht es an den Plattenspieler. Das Auflegen einer Platte hat etwas Zeremonielles: aus der Hülle nehmen, abbürsten, Nadel aufsetzen – und dann ertönt ein sattes Klangbild; viel schöner als CD oder MP3, sagen die Liebhaber. Joachim Król hört sich jede Version des Liedes zunächst mit Kopfhörern an, danach noch einmal laut. Und da die Szenen selten in einem Rutsch im Kasten sind, hören wir „You’ll never walk alone“ viele Male. Auf den Ruf „Und nochmal bitte!“ von Regisseur André Schäfer, entgegnet Joachim Król zum Schluss lachend: „Ich kann’s bald schon nicht mehr hören…“

2017-04-23T14:41:56+00:00