Ein Lied wird geboren (New York, Teil 2)

Heute sind wir am Majestic Theater in der 44. Straße. Hier erklingt am 19. April 1945 im Musical „Carousel“ nach dem Selbstmord Lilioms (der jetzt „Billy Bigelow“ heißt) zum ersten Mal „You’ll never walk alone“.

Die bunt leuchtenden Werbetafeln, der sich stauende Verkehr und wildes Gehupe kündigen es schon ein paar Blocks vorher an: Wir nähern uns dem Theaterviertel mit Times Square und Broadway. Mit dem Taxi biegen wir in die 44. Straße ein, das Straßenschild verrät im Untertitel, dass es sich um die „Rodgers and Hammerstein Row“ handelt. Hier müssen wir richtig sein. Zunächst werden ein paar Szenen rund um den Times Square gedreht. Die Touristenmassen schieben sich an diesem Hochsommertag über den Platz. In einem Sprachenwirrwarr hört man ab und zu auch mal ein deutsches Wort, und kaum sind wir ein paar Meter gelaufen, wird Joachim Król von einem deutschen Paar erkannt. Die Zeit für ein Foto mit den beiden nimmt er sich gern.

Zurück in der 44., am Majestic Theater, sind wir endlich an der Stelle angekommen, an der „You’ll never walk alone“ das Licht der Welt erblickt hat. Richards Rodgers (Musik) und Oscar Hammerstein II (Buch und Text) amerikanisierten die Szenerie des Theaterstücks „Liliom“ und schufen so das Musical „Carousel“, das 1999 vom Time Magazin zum besten Musical des 20. Jahrhunderts gekürt wurde. Und ein Lied aus dem Musical sollte sich ganz besonders im kulturellen Bewusstsein verankern. Das weltberühmte Team Rodgers und Hammerstein schuf auch so erfolgreiche Musicals wie „Oklahoma!“ und „The Sound of Music“, ihr berühmtestes Werk. Die beiden stammten übrigens aus jüdischen Einwanderfamilien. Die Vorgeschichte und die Entstehung des Liedes „You’ll never walk alone“ sind daher – von Molnár über Polgar bis zu Rodgers und Hammerstein – auch ein Stück jüdische Kulturgeschichte.

Direkt gegenüber dem Majestic Theater finden wir das St. James Theater, eine weitere große Bühne, auf der Rodgers und Hammerstein ihre Erfolge feierten. Ein Aufzug neben der Bühne führt uns hinauf zu den Büroräumen von Jujamcyn Theatres. Joachim Król trifft dort auf Broadwayproduzent Jack Viertel, der in seinem Buch „The Secret Life of the American Musical“ zeigt, wie Musicals gestrickt sind und sich in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt haben. „Ein fantastisches Gespräch“, resümiert Joachim Król.

Die bunten Lichter des Broadways lassen wir jetzt hinter uns. Als nächste Station werden wir einen Ort völlig abseits der Touristenhochburgen besuchen…

2017-04-23T14:37:19+00:00