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Budapest: An den Quellen des Liedes (2)

Die dunklen Wolken vom Vortag ließen es erahnen: Am nächsten Tag prasseln kräftige Schauer vom Budapester Himmel. Aber dass das Wetter nicht immer auf unserer Seite ist, damit muss man beim Filmdreh rechnen. Und es kommt sogar noch schlimmer: Die wunderbare Schauspielerin Mavie Hörbiger, unsere Gesprächspartnerin für den nächsten Drehtag in Wien, muss absagen. Aber der Schock währt nur kurz: Per Telefon vereinbaren Joachim Król und Mavie Hörbiger einen neuen Drehtermin für später.

Heute geht es allerdings erstmal in das berühmte Café New York. Dort trifft Joachim Król auf Mátyás Sárközy, den Enkelsohn des Dramatikers Molnár. Das prunkvolle Kaffeehaus war zur Zeit Molnárs ein beliebter Literaten- und Künstlertreff; auch „Casablanca“-Regisseur Michael Curtiz, der aus Ungarn stammte, war hier regelmäßig zu Gast. Das Café wurde erst kürzlich aufwendig restauriert und in seinen Gründerzeit-Originalzustand versetzt. Goldene Balustraden, riesige Spiegel und edles Porzellan lassen uns in die glanzvolle und geschichtsträchtige Vergangenheit reisen. Die Idee für das Stück „Liliom“ soll Ferenc Molnár nämlich eines Nachts genau hier gekommen sein, an seinem bevorzugten Arbeitsplatz.

Nach kurzem Aufbau und Stellprobe kann es losgehen. Das Team dreht mit zwei Kameras. Eine fokussiert den Interviewpartner Sárközy, die andere nimmt die gesamte Gesprächssituation auf. Wir sind gespannt, was der Enkel Molnárs Joachim Król zu erzählen hat, lauschen gespannt in der mondänen Kulisse bei einem leckeren Milchkaffee und gewinnen einen kleinen Eindruck, wie es damals gewesen sein muss.

Also geht es mit dem Taxi zum Budapester Bahnhof Keleti – einem prachtvollen Bauwerk im Stil der Neorenaissance. Um über Ungarns Grenzen hinweg zu fahren, muss man eine Wartenummer am internationalen Ticketschalter ziehen – und schon wird man wieder in der Zeit zurückversetzt: Hier werden die Tickets noch mit der Hand ausgefüllt. Allerdings verpassen wir durch diese Verzögerung unseren Zug um eine Minute. Doch wenig später sind wir endlich auf der rund zweieinhalbstündigen Reise in Richtung österreichische Hauptstadt. Mehr über die Zeit in Wien dann demnächst hier.

2017-04-23T15:01:55+00:00