Auf ‘ne Currywurst in Dortmund

Der Dreh in der Gründungskirche des BVB führt uns zunächst wieder in die Vergangenheit: In dem Jahr, in dem Ferenc Molnár in Budapest sein Theaterstück „Liliom“ zur Aufführung brachte, drehte sich für einige junge Männer der katholischen Dreifaltigkeitsgemeinde in Dortmund bereits alles um das runde Leder.

Mit dabei im Dortmunder Norden ist auch Dr. Hartmut Kasper, Autor des Dokumentarfilms „You’ll never walk alone“, der die Geschichte des berühmten Fußballliedes für den Film niedergeschrieben hat. „Wir sind alle am Borsigplatz geboren“ heißt es in einem Fangesang des BVB. Heute fahren wir genau dorthin: Nach einem Kreisel um den Platz, bis die richtige Spur gefunden ist, biegen wir nach rechts ab und fahren zur Flurstraße 10. In der dortigen Dreifaltigkeitskirche versammeln sich Menschen seit über 100 Jahren zum Gottesdienst. „…Borussia, du verkörperst die Region, für manche von uns sogar Religion“, lautet eine Zeile des Liedes „Borussia“ von Bruno Knust. Und Recht hat er: Viele Menschen pilgern am Wochenende in den Vereinsfarben ihres Teams in die Stadien der Region. Doch für wenige Vereine ist die geschichtliche Verknüpfung zur Kirche so stark wie beim BVB: Aus der katholischen Jugendorganisation, der sogenannten „Jünglingssodalität“ der Gemeinde entstand am 19. Dezember 1909 der „Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund“. Wenn auch zunächst ohne Gottes Segen – gegen den Willen des damaligen Kaplans, dem der neue Sport zu roh und zu wild war.

Inzwischen haben die Kirche und der BVB aber längst ihren Frieden miteinander gemacht. Gemeindereferent Karsten Haug empfängt Joachim Król im weißen Gewand mit BVB-Schal. Im Innenraum der Dreifaltigkeitskirche finden sich viele schwarz-gelbe Artefakte und Sammelstücke, wie anderswo nur Kirchenschätze. Die Dauerausstellung „Kirche, Fußball, Gottvertrauen“ erinnert an die gemeinsamen Wurzeln von Kirche und Verein. Und jedes Jahr zu Beginn der Bundesligasaison wird in der Kirche ein besonderer BVB-Gottesdienst gefeiert, in dem auch „You’ll never walk alone“ angestimmt wird.

So viel Geschichte macht hungrig. Gut, dass Joachim Król schon die passende Verabredung hat: Vor seiner Currywurstbude in der Dortmunder Innenstadt treffen wir den Dortmunder Fanliebling, Stadionsprecher und Pokal-Helden von Berlin, Nobert Dickel. Dickels Currywurst-Wagen vor der Marienkirche eröffnete 2012 und hat Gerichte wie „Nobbys Doubleschale“ oder die „Heimspielschale“ auf der Karte – und immer, wenn der BVB gewonnen hat, gibt’s die „Siegerschale“ zum Sonderpreis. Als „Zeremonienmeister“ kennt Norbert Dickel das Stadion wie seine Westentasche und erinnert sich gut daran, wie das Lied „You’ll never walk alone“ nach Dortmund kam.

In der gut besuchten Innenstadt bleiben die beiden bei ihrem Gespräch an diesem sonnigen Spätsommertag übrigens nicht lange alleine: Hinter den beiden Kameras warten bereits einige Fans, die sich nach Drehschluss Autogramme von Norbert Dickel und Joachim Król wünschen.

2017-04-23T14:32:12+00:00